Etwas außerhalb von Daressalam, hinter den großen Flughafen, liegt der Stadtteil Kitunda. Latifa K., kommt aus Iringa, Mbigili, lebt und arbeitet nun hier in Daressalam. Ich wechsle gerne die Umgebung, sagte sie mir später. Sie ist in Iringa geboren, im Kinderdorf Mbigili aufgewachsen und hat auch in Iringa die Universität besucht. »Ich möchte nicht zurück nach Iringa, meine Zeit dort ist vorbei« (Übersetzt aus dem Kiswahili).
Sie ist eine von den vielen ehemaligen Kinderdorfkindern, die den Schritt in ein selbstständiges Leben geschafft haben. Latifa ist Kindergärtnerin in der Lavender Day Care. Täglich unterrichtet sie 22 Kinder im Alter von vier Jahren, bringt ihnen das Alphabet und die Zahlen bei. Eine kleine Schülerin von ihr war zu dem Zeitpunkt noch auf dem Gelände des Kindergartens und hat stolz erzählen können, dass sie heute das »n« und die Zahl »vier« gelernt hat.
In Tansania beginnen die Kinder schon deutlich früher, also bereits im Kindergarten, mit dem Lesen und Schreiben. Die Day Care besuchen insgesamt 60 Kinder, von Montag bis Freitag. Latifa arbeitet hier seit zwei Jahren, insgesamt ist sie in diesem Beruf aber schon seit 2019, nach dem Abschluss ihres Studiums tätig. Sie berichtet, dass sie sich sehr wohl hier in Daressalam fühlt, nur ihr Sohn leider sehr weit weg ist. Er lebt bei seiner Großmutter väterlicherseits und geht in Mwanza auf eine Boardingschool. Ich Sohn ist erst acht Jahre alt und geht in die dritte Klasse. Die Schulkosten waren in Daressalam für sie und den Vater des Kindes zu hoch, sodass er in den Norden Tansanias wechseln musste.
»Meine Familie ist das Kinderdorf« sagt sie und auf die Frage mit wem sie noch Kontakt hat berichtet sie »wir haben eine WhatsApp Gruppe mit allen Ehemaligen und schreiben uns immer mal«. Sie ist 2008 in das Kinderdorf gekommen, nachdem ihre beiden Eltern verstorben sind und keiner da war, der nach ihr schauen konnte. Im Kinderdorf hatte sie eine sehr gute Zeit, sie lebte im blauen Haus und erinnerte sich an die Hausmütter, die sie umsorgten. Zu hören, dass die meisten immer noch dort arbeiten, machte die sehr glücklich. Eine große Familie, so nannte sie die Gemeinschaft des Kinderdorfes.
Karla L.