Die Farm – Versorgung mit Verantwortung
Die eigene Farm ist ein zentraler Bestandteil unseres Selbstversorgungskonzepts. Die geernteten Lebensmittel decken einen Großteil des täglichen Bedarfs an Obst und Gemüse ab. Je nach Zeit im Jahr, das heißt Trocken- oder Regenzeit, werden Lebensmittel, wie Reis und Mais in der naheliegenden Stadt ergänzend eingekauft.
Das frische Gemüse jedoch ist so reichlich, dass ein weiteres Projekt ins Leben gerufen wurde, das ,,Mkawaganga Food Projekt“. Gerne lesen Sie mehr dazu in unserem Interview.
Die Kinder und Jugendlichen erleben Kreisläufe, übernehmen Verantwortung und entdecken neue Fähigkeiten im Umgang mit Tieren, Pflanzen und der Natur. Ein wichtiger Ort für die Kinder sind die Beete, für die sie selbst zuständig sind, der sogenannte ,,Kids Club“, auch dazu gerne mehr in unserem Interview.
Was findet man auf unseren Feldern?
Von Bananenstauden über Papaya-Bäumen findet man viele verschiedene Gemüsearten, darunter Zucchini, Rote Beete, Salat, afrikanische Auberginen, Paprikas, Karotten, Bohnen und Tomaten in den Gewächshäusern. Auf großen Feldern wir jedes Jahr im Dezember der Mais ausgesät und im kommenden Jahr geerntet. Obstbäume, die schattenspendend dazwischenstehen, bringen dem Kinderdorf Mangos, Papayas, Avocados.
Wer steht bei uns im Stall?
Auf dem Gelände des Kinderdorfs leben eine beachtliche Anzahl an Hühner, die Eier für alle legen. Desweitern werden Schweine und Ziegen, sowie Milchkühe gehalten.
Interview: Ein Vereinsmitglied erinnert sich
Schon in der Konzeptionierungsphase des Kinderdorfes war allen Beteiligten klar, dass auf dem 15 Hektar-umfassenden Grundstück zusätzlich eine Farm aufgebaut werden sollte. Ziel war und ist bis heute die Selbstversorgung des Kinderdorfes mit frischen und gesunden Lebensmitteln aus eigener Produktion.
Wer war alles involviert in den Aufbau und womit wurde der Anfang gemacht?
Durch engagierten Einsatz der Farmarbeiter unter der Leitung des damaligen Farmmanager Richard gelang es über die Jahre aus einem Brachland eine Gemüse- und Tier-Farm aufzubauen. Aktuell sind auf der Farm 5 Farmarbeitende und die Leiterin Mary tätig.
Begonnen wurde mit Gemüsebeeten und Maisfeldern. Durch Unterstützung von Förderern kamen Traktor, Pflug und 4 Gewächshäuser dazu. Ställe für die Tiere wurden gebaut. Ein Tiefbrunnen versorgt das Kinderdorf mit Trink- und Wasser für das Bewässerungssystem. Das Ziel ist, die heutige Farm bestmöglich zu bewirtschaften. Dafür sind immer wieder Reparaturen und Auffrischung nötig, um die Farm zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Welches Angebot bietet die Farm den Kindern und wird der Bedarf vollständig gedeckt?
Aktuell ist die Farm in der Lage das Kinderdorf mit allen tierischen Produkten zu versorgen. Es werden Milchkühe, Schweine, Ziegen und Hühner gehalten. Mehrere Bienenvölker liefern Honig. Überschüssige Produkte werden verkauft und sorgen zusätzlich für ein eigenes Einkommen der Farm.
Mit Ausnahme von Reis, Mais und getrockneten Bohnen beliefert die Farm das Kinderdorf mit ausreichend frischem Gemüse und Salat.
Die tierischen Produkte dienen also auch Menschen außerhalb unseres Kinderdorfes. Wie sieht es denn mit dem Gemüse aus?
Aufgrund von ausreichenden Erzeugnissen wurde hierfür ein weiteres Projekt ins Leben gerufen. Im „Mkawaganga Food Projekt“ versorgt die Farm die nahe gelegene Grundschule täglich mit frischem Gemüse und sorgt für eine ausgewogene, gesunde Schulspeisung für ca. 500 Schülerinnen und Schüler.
Inwiefern sind die Kinder des Kinderdorfes beteiligt an der Arbeit auf der Farm?
Ein weiterer Baustein der Farm ist der „Kids Club“. Auf einem separaten Stück Land bauen die Kinder unter der Anleitung der Hausmütter eigenes Gemüse an. Täglich nach Erledigung der Hausaufgaben geht es mit Hacke und Gießkanne aufs Feld. Die Ernte verkaufen die Kinder an die Küche des Kinderdorfes. So generieren sie neben dem Lernerfolg ein kleines Einkommen zur Aufbesserung ihres Taschengeldes.
Welches Bewässerungssystem haben wir denn für unsere Felder?
Die Bewässerung ist eine s.g. Tröpfen Bewässerung. D.h. auf der Farm befinden sich zwei Wassertanks, die aus dem zentralen Bohrloch befüllt werden. Von diesen verlaufen zu den jeweiligen Gartenabschnitten Versorgungsleitungen. Ab den Beeten sind kleine Leitungen mit Poren verlegt. Wenn die Ventile geöffnet werden, läuft das Wasser in diese Leitungen und tritt in Tröpfchen Form aus und bewässert die Pflanzen.
Wie steht es um die Pilzzucht und andere Gemüsesorten, die über die Jahre dazu kamen?
Nicht alle Ideen hielten dem extremen Klima auf 1800 Höhenmeter stand. Eine Pilzzucht wurde wieder eingestellt. Außerdem gedeihen nicht alle Gemüsesorten bei diesem Klima und wurden im Laufe der Zeit angepasst.
Auf der vorherigen Website war zu lesen, dass das Kinderdorf zur eigenen Versorgung über eine Biogas-Anlage verfügt? Wie sieht es damit aus?
Genau, wir haben ergänzend zu unserer restlichen Energie-Versorgung eine Biogas-Anlage auf unserem Gelände. Nach meiner aktuellen Kenntnis wird auf zwei Kochern in der Küche mit dem Ertrag der Anlage gekocht. Probleme gibt es mit der Menge an Biogas, das hängt mit der Menge an Kuhdung zusammen. Der ist in der Regenzeit größer als bei Trockenheit. Weiterhin wird das Biogas nicht gereinigt oder verdichtet, somit ist der Brennwert stark eingeschränkt. Außerdem muss die Anlage regelmäßig neu abgedichtet werden, das geschieht mit Lehm und Wasser.
Was gibt es abschließend noch Wichtiges zu sagen?
Alles, was entstanden und angeschafft wurde, muss erhalten, gepflegt und repariert werden.
Diese Aufgabe obliegt dem Facilityteam bestehend aus Officer Simon und Assistenten Omari und Unterstützung bekommen sie durch das vier-köpfige Sicherheitsteam.
Hauptaugenmerk liegt auf der Gebäudeunterhaltung und der Pflege des Fahrzeugbestandes. Alle Mitarbeiter und auch die Kinder sind sehr dankbar und stolz, dass es gelungen ist, im Laufe der Jahre ein sehr schönes Kinderdorf aufzubauen.
Der Pflege des gesamten Dorfes gilt ein besonderes Augenmerk. Regelmäßig werden Umwelttage durchgeführt und alle beteiligen sich an den Aktionen. Wertschätzung des Erreichten und Vorbildfunktion sind für alle Mitarbeiter Werte, die an die Kinder weitergegeben werden.